Angorakaninchen weis

Geschichte

Die ersten Angora-Kaninchen wurden unter der Bezeichnung "Seidenkaninchen" 1723 von englischen Seeleuten aus Ländern am schwarzen Meer nach Bordeaux mitgebracht. Mitte des 18. Jahrhunderts gelangten die ersten Tiere nach Deutschland und erlangten in Oberfranken Verbreitung. Kein geringerer als Goethe förderte die Haltung der Angora in Thüringen. Ziel war es, der Landbevölkerung zu einem Zubrot zu verhelfen.

Zuchtstand heute

Die Angora sind Wolltiere (wie die Schafe). Die Tiere werden mindestens alle drei Monate mit der Handschere oder einer elektrischen Schermaschine geschoren. Die regelmäßige Schur ist zwingend nötig, um das Wohlbefinden der Tiere zu erhalten. Ohne Schur würden die Tiere die Futteraufnahme reduzieren und die verfilzende Wolle die Bewegungsfähigkeit der Tiere einschränken. Sehr kritisch wird in der Öffentlichkeit das im Ausland praktizierte "Rupfen" von Angora-Kaninchen beurteilt. Hierbei sollen den Tieren durch das Auszupfen Schmerzen entstehen. Dem Angora-Club sind in Deutschland keine Züchter bekannt, die Angora halten oder züchten, die gerupft werden. Auf Schauen können solche Tiere nicht gezeigt werden, da die Wollstruktur ganz von der deutschen Zuchtrichtung abweicht.
Bei Ausstellungen soll die Wolle mindestens 6 cm lang sein. In voller Reife ist sie über 10 cm lang. Die Unterwolle ist stark vorherrschend. Das zulässige Gewicht für Ausstellungstiere liegt zwischen 3,5 und 5,2 kg. Typisch für die Angora sind die Wollbüschel auf der Stirn und an den Enden der Ohren sowie der Behang an den Läufen. Diese Merkmale unterscheiden sie neben der Wollstruktur auf den ersten Blick von den langhaarigen Kaninchenrassen.
Der Standard, der die Zuchtziele festlegt, wurde so geändert, dass die Rassemerkmale das Wohlbefinden der Tiere nicht beeinträchtigen. Denn zu starker Ohrbehang könnte den Wärmeausgleich negativ beeinflussen und zu starke Stirnbüschel die freie Sicht der Tiere behindern. Die Anregungen des Tierschutzes wurden somit vollständig umgesetzt.
Die Wollstruktur wurde züchterisch so bearbeitet, dass Bürsten oder Kämmen der Tiere zur Vermeidung von Filzbildung nicht mehr nötig ist. Der Mehraufwand bei der Zucht von Angora besteht damit im wesentlichen in der Zeit für die Schur der Tiere (ca. ½ h bis 1 h je Schur).

Wollertrag

Schlolaut schätzt die Wollleistung je Tier und Jahr zu Beginn der Zucht (18. Jh.) auf 200 bis 250 Gramm. 1960 lag die Jahreswollleistung bei 600 bis 700 Gramm und bei den Spitzentieren bei 800 Gramm. Heute sind 1301 Gramm bereinigter Jahreswollertrag (Wollwertrichtzahl) nötig, um die volle Punktzahl für die Wollleistung zu erhalten. Die absoluten Spitzentiere erbringen Leistungen von mehr als 2000 Gramm. Neben der Verbesserung des Wollvlieses wurde diese Leistungsexplosion auch durch die Anhebung des Gewichts der Tiere möglich. Die Spitzenwolltiere dürften in der Mehrzahl bei einem Gewicht von 5 kg liegen.

Verwendung der Wolle

Die aus Angorawolle hergestellten Kleidungsstücke sind wegen des besonderen Aufbaus des Wollvlieses leichter und halten sehr viel wärmer als z.B. solche aus Schafwolle. Aus der Wolle wird deshalb traditionell spezielle Gesundheitswäsche (z.B. für Rheumakranke) hergestellt. In den letzten Jahren wurde es aber aufgrund verbesserter Spinn- und Verarbeitungstechnik möglich, besonders flauschige Oberbekleidung (Pullover, Schals usw.) herzustellen.